Der Weg lange zurück

Manche Entscheidungen trägt man lange mit sich herum und manche nehmen nur langsam die Gestalt an. Heute habe ich eine Entscheidung getroffen und ich habe zugegebenermaßen einen dicken Kloss im Hals dabei. Vor 10 jahren habe ich meine Freundin Ina kennen gelernt, über unsere Kinder. Sie sind beide im selben Monat geboren. Wir haben viel miteinander geteilt und wie in jeder Freundschaft gibt es gute und schlechte Zeiten. Ich war häufig genug für die schlechten zuständig.

Vor 5 Jahren haben wir ein gemeinsames Projekt gestartet. UNSER BABY unsere kleine Medienagentur WEEHOUSE. „wee“= winzig „house“=haus die idee dahinter war das wir klein anfangen und uns entwickeln. Unser erstes Projekt war eine Seite über eine Autowerkstatt die sie amerikanischen monsterjeeps umbaut. „homilius“ hieß sie und sie war ganz einfach, ohne content management system oder sonstigen schnickschnack. Wir haben uns irre viel Mühe gegeben, bis alles perfekt war. Wir haben stundenlang im msn verbracht und neben der Arbeit über Mann und Kinder geschnackt. WEEHOUSE war HERZBLUT! Nicht nur wegen der Arbeit, sondern auch wegen unserer Freundschaft und wegen allem was damit zusammen hing. Ich kenne die Farbzusammenstellung jeder einzelnen Seite, die Geschichten dahinter und habe jeden einzelnen Entwurf auch die, die niemals online gingen immer noch auf meiner Externen.

Nach meiner Trennung von Saskias Vater war ich ziemlich durch den Wind und hab viele Dinge liegen lassen, habe mich wieder verstärkt auf mich konzentiert. Das hing mit vielen Irrungen und Wirrungen zusammen und ich wusste lange zeit mit mir selber nichts anzufangen. Ich stand plötzlich alleine da mit jeder einzelnen ENtscheidung und war soviel finanziell als auch menschlich irgendwie an Ende. Ich habe zu der Zeit viel Kraft von meinen Freunden eingefordert und „häuser weggesprengt“. Ich hab mich gefühlt wie in der Mitte eines Hurrikans. Alles um mich herrum dreht sich, nur ich stehe still. Ich hab nicht nur mein eigenes Leid getragen sondern auch das meines Kindes und das war fast das schlimmste.

Lange Zeit war mir das Gespür für alles um ich herum verloren gegangen. Ich wollte nur mich selber wieder spüren, das ist heute manchmal noch so. Heute fängt vieles mein Katzentier (insider und nein es ist kein haustier) ab. Vermutlich hat sich in dieser Zeit einfach alles verändert, die Menschen um mich und ich mich selber auch. Irgendwann hatte ich genug gewütet und fand die Ruhe wieder in mir. Ich begann wieder nach vertrauten Dingen zu suchen, nur war da nicht mehr viel.

Und auch für Weehouse hatten sich andere Arrangements ergeben, in denen ich nur eine untergeordnete Rolle spielte. Den Kummer darüber habe ich lange mit mir rumgeschleppt, weil ja nicht nur weehouse selber dran hängt sondern auch eine Freundschaft, aus der dieses Projekt ja überhaupt erst entstand. Um die hatte ich immer Angst, weil ich auch da sehr gewütet hatte.

Heute habe ich festgestellt wie wenig ich mich mit Weehouse so wie es jetzt ist, noch verbunden fühle und das es Zeit ist loszulassen. Trotzdem bin ich ein stückweit traurig und enttäuscht. Ich erinnere mich an viele Dinge die Weehouse für mich war und jetzt nicht mehr ist. Und so geh ich meinen langen Weg zurück, mit dem wissen das mir manche Dinge wichtiger sind als andere. Und das ich NICHTS was mir am Herzen liegt der Lukrativität opfere. Das mag patetisch klingen aber so bin ich und DAS MACHT MICH aus.

Ich wünsche an dieser Stelle dem neuen Team von Weehouse eine gute Zusammenarbeit und viele Aufträge. Ich behalte meinen Idialischmus und lebe damit total unprofitabel, aber glücklich. In diesem Sinne….

2 Kommentare zu “Der Weg lange zurück

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